Drei Monate Fabrikarbeiter und Handwerksbursche by Paul Göhre

(4 User reviews)   700
Göhre, Paul, 1864-1928 Göhre, Paul, 1864-1928
German
Ever wonder what the working class really thought about the people trying to 'uplift' them? In 1890, a young theology student named Paul Göhre did something radical: he spent three months working undercover in a factory and living as a wandering apprentice. He wasn't there to save souls or give speeches. He was there to listen. This book is his raw, unfiltered diary from the factory floor—a secret window into a world of backbreaking labor, simmering resentment, and the surprising gap between the socialist intellectuals and the workers they claimed to represent. It's a piece of immersive journalism written a century before the term was invented.
Share

Read "Drei Monate Fabrikarbeiter und Handwerksbursche by Paul Göhre" Online

This book is available in the public domain. Start reading the digital edition below.

START READING FULL BOOK
Instant Access    Mobile Friendly

Book Preview

A short preview of the book’s content is shown below to give you an idea of its style and themes.

die ich während meiner Arbeiterzeit aufgezeichnet habe, gemacht worden. Einiges ganz Wenige davon ist aus Artikeln, die ich im vergangenen Herbste in die „Christliche Welt“ über meine Erlebnisse geschrieben habe, herüber genommen. Die Lückenhaftigkeit meiner Mitteilungen gestehe ich zu. Das ist bei einem nur dreimonatlichen Studium selbstverständlich. Was ich aber gesehen und gefunden habe, habe ich mit der Objektivität darzustellen versucht, die nur immer einem Menschen möglich ist, der nicht aus seiner Haut heraus kann. Ich warne dann noch ernstlich vor einer Verallgemeinerung der von mir gefundenen Ergebnisse. Ich gebe zu bedenken, daß alles, was ich berichte, nur von den sächsischen Industriearbeitern Geltung hat. Ich habe das Buch meinen ehemaligen Arbeitsgenossen in der Fabrik gewidmet als ein Zeichen des Gedenkens, der aufrichtigen Liebe und Zuneigung, die ich immer gegen sie hegen werde. Sie mögen darin das Bekenntnis sehen, daß ich meine ganze Lebenskraft in den Dienst ihrer Sache stellen will. Trotzdem bin ich auf Verdächtigungen gefaßt. Aber ihnen allen gegenüber erhebe ich den Anspruch, daß ich, selbst aus einfachsten Kreisen herausgewachsen, es nicht weniger ehrlich mit ihnen meine, als es andre von sich behaupten. Mit einem Appell an meine Alters- und Standesgenossen möchte ich diese Worte beschließen. Ich bitte sie dringend, es mir nachzuthun, allein oder zu zweien, aber mit offnem Visier, zu keinem andern Zwecke, als die ärmern Mitbrüder und ihre Lage, ihre Gedanken, ihr Sorgen und ihr Sehnen kennen zu lernen, ihnen durch solche Opfer die Liebe und Achtung zu zeigen, auf die sie einen Anspruch haben, und im künftigen Berufe dann vorurteilslos und ernst da für sie einzutreten, wo immer sie recht haben. Berlin, Anfang Juni 1891 =Der Verfasser= Erstes Kapitel Mein Weg Anfang Juni des vorigen Jahres hängte ich meinen Kandidatenrock an den Nagel und wurde Fabrikarbeiter. Ein abgelegter Rock, ein ebensolches Beinkleid, Kommißstiefeln aus der Militärzeit, ein alter Hut und ein derber Stock bildeten meinen abenteuerlichen Anzug. Eine vielgereiste Umhängetasche fand sich dazu, die nötigste Wäsche aufzunehmen, und gab, ein Paar Schuhe und die vorschriftsmäßige Bürste oben aufgeschnallt, einen prächtigen „Berliner“ ab. So zog ich eines frühen Morgens in struppigem Haar und Bart als richtiger Handwerksbursche mit klopfendem Herzen von daheim aus und bald darauf zu Fuß in das mir unbekannte Chemnitz ein. Hier in Chemnitz, dem Mittelpunkte der ausgedehnten sächsischen Großindustrie, habe ich fast drei Monate +unerkannt+ als einfacher Fabrikarbeiter und beinahe ohne jeden Verkehr mit meinesgleichen gelebt, habe in einer großen Maschinenfabrik mit den Leuten täglich elf Stunden gearbeitet, mit ihnen gegessen und getrunken, als einer der ihrigen unter ihnen gewohnt, die Abende mit ihnen verbracht, mich die Sonntage mit ihnen vergnügt und so ein reiches Material zur Beurteilung der Arbeiterverhältnisse gesammelt, das mitzuteilen ich im Folgenden versuchen will. Seit Jahren für das Studium der sozialen Frage vom religiösen und kirchlichen Standpunkte aus erwärmt, war es vor allem eines, das mich bisher einen klaren Blick, ein sicheres Urteil, einen festen Haltepunkt zu gewinnen immer wieder verhinderte: die zu geringe Kenntnis der Wirklichkeit, der thatsächlichen Lage derer, um derentwillen wir eine soziale, eine Arbeiterfrage haben. Zwar giebt es eine reiche Litteratur. Aber wer verbürgte mir die Richtigkeit der gegebenen Darstellungen? Wo ist die Wahrheit? Bei dem Optimisten, der die Lage der Arbeiter als durchaus nicht so erbarmungswürdig schildert, oder bei dem Pessimisten, der alles Schwarz in Schwarz sieht und die Zukunft nur als Revolution? In den sozialdemokratischen Schriften, die, so scharf und bedeutungsvoll ihre Kritik an den bestehenden Verhältnissen auch ist, doch für nichts weniger als unparteiisch und sachlich gelten und, fast alle Agitationsschriften, jedenfalls wissenschaftlichen Wert nicht beanspruchen können? In den weniger zahlreichen Äußerungen von Arbeitgebern, die in dieser Angelegenheit ebenso Partei sind,...

This is a limited preview. Download the book to read the full content.

In 1890, Paul Göhre, a 26-year-old theology student with socialist leanings, wanted to understand the working class from the inside. So, he shed his educated identity and got a job at a machine factory in Chemnitz, Germany. For three months, he lived the life: the grueling 11-hour shifts, the cramped dormitories, the meager pay. He then took to the road as a traveling journeyman, experiencing the rootless life of a manual laborer. The book is essentially his journal from this experiment, filled with conversations overheard, frustrations felt, and observations made while his hands were busy and his mind was racing.

Why You Should Read It

This isn't a dry historical study. It's a gripping, first-person account that puts you right on the shop floor. You feel the monotony of the work, the ache in the muscles, and the sharp, often cynical, humor of Göhre's coworkers. The most fascinating part is the disconnect he discovers. The workers he meets aren't the idealized revolutionaries of socialist pamphlets. They're skeptical, politically indifferent at times, and deeply suspicious of the educated "gentlemen socialists" who lecture them. Göhre's honesty about his own failed attempts to connect is what makes this so powerful. He went looking for class solidarity and found a much more complicated reality.

Final Verdict

If you love immersive nonfiction like Barbara Ehrenreich's Nickel and Dimed, you'll find its 19th-century German ancestor here. It's perfect for anyone interested in social history, labor movements, or just a brilliantly executed real-life experiment. You don't need a PhD to enjoy it; you just need curiosity about how people lived, worked, and thought in a world on the brink of massive change. It's a humble, eye-opening, and surprisingly relatable slice of life from the past.



⚖️ No Rights Reserved

You are viewing a work that belongs to the global public domain. You do not need permission to reproduce this work.

Robert Lewis
2 weeks ago

This was recommended to me by a colleague and the formatting of this PDF is flawless and easy to read on any device. A perfect companion for a quiet weekend.

Jessica Young
2 months ago

After completing the first chapter, the material feels polished and professionally edited. An unexpectedly enjoyable experience.

Brian Nguyen
1 month ago

Simply put, the structure supports both quick reading and deep study. Time very well spent.

George Hall
4 months ago

While comparing similar resources, the author anticipates common questions and addresses them well. This deserves far more attention.

4
4 out of 5 (4 User reviews )

Add a Review

Your Rating *
There are no comments for this eBook.
You must log in to post a comment.
Log in

Related eBooks